30. Jan, 2018

Immer auf die kleinen

Immer auf die Kleinen: Dieser Grundsatz ist zwar vielleicht nicht besonders ehrenhaft, dafür hat er sich aber über Jahrhunderte bestens bewährt. Seit Kinder als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt sind, haben sie auch das Privileg erworben, unter die Lupe genommen zu werden. Vielen Beobachtern gefällt allerdings nicht mehr, was sie sehen. Zum Beispiel Kinder, die nur noch ein Wort kennen: „Ich“. Gefolgt vor allem von „will“ oder noch öfter „will nicht“. Dass diese Kinder über ein durchdringendes akustisches Repertoire verfügen, um ihren Wünschen Nachdruck zu verleihen, macht sie weder (ihren) Eltern noch Lehrern noch Altersgenossen noch Passanten sympathischer.

Das gilt auch für jene Kinder, die augenscheinlich nichts mehr mit sich anzufangen wissen. Die vor einem vollgerammelten Spielzeugregal stehen, die Augen verdrehen und den Killersatz sagen: „Mir ist sooo fad.“ Oder die Kinder, die negative Emotionen wie Frust oder Ärger nicht einmal mehr in homöopathischen Dosen aushalten und entweder verbal aggressiv reagieren oder dem Gegenüber einfach eine scheuern.

Gegen Egoismus und Gier. Das Urteil über diese Kinder fällt schon seit einiger Zeit ziemlich harsch aus „Tyrannen" und auf ihre Eltern zurück. Deshalb wird mit vereinten Kräften nach Mitteln gesucht, wie man den Nachwuchs von der schiefen Entwicklungsbahn zurück auf die gerade bringen kann. Jetzt gibt es dafür ein neues Angebot. „Empathie“ heißt das Zauberwort – ein durch und durch positives Konzept. Das gefällt einer Gesellschaft ganz besonders gut, die ohnedies um ihren sozialen Zusammenhalt fürchtet und gerade eine Wirtschaftskrise durchlebt, für die immer wieder Egoismus und Gier verantwortlich gemacht werden.

Empathie ist nichts anderes als die uralte menschliche Fähigkeit, sich auf der Basis von Selbsterkenntnis in andere Menschen hineinzuversetzen und nachzuempfinden, was sie fühlen. An sich ist Empathie weder eine gute noch eine schlechte Sache, in der öffentlichen Auseinandersetzung wird aber vor allem ihre positive Seite betont.

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