16. Aug, 2017

Ein Stigma

Das ist ein Stigma, das an einem haftet"

Eine neue Studie der Universität Jena bescheinigt den Hartz-Reformen fatale Folgen. "Die Hartz-IV-Logik produziert das Gegenteil von dem, was sie leisten will: Sie erzeugt Passivität, wo sie Aktivierung vorgibt", sagte der Soziologe Klaus Dörre. Das Stigma Hartz IV sei für die Betroffenen inzwischen vergleichbar mit der schwarzen Hautfarbe im Süden der USA.

"In der Gesellschaft als 'Hartzi' identifiziert zu werden, ist ähnlich wie dunkle Hautfarbe zu haben im Süden der USA", sagte der Wissenschaftler am Lehrstuhl für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie. "Das ist ein Stigma, das an einem haftet, das man nicht los wird und mit dem man in Alltagssituationen immer wieder konfrontiert wird".

Nancy N. und Heiko K. aus dem sächsischen Döbeln können davon ein Lied singen. Sie leben mit ihren Kindern Lucy und Finn-Niclas von Hartz IV und fühlen sich von der Gesellschaft ausgegrenzt. Im RTL-Interview sagte die junge Frau: "Wenn man einkaufen geht zum Beispiel, kommt dann auch, ah, das sind die Hartz-IV-Empfänger und gehen einkaufen, das sind ja alles nur Schmarotzer, ja das ist schon sehr diskriminierend."

Stigmatisierung, Diskriminierung, Herabsetzungen, tag Täglich in Deutschland vorzufinden. Wussten Sie dass in Deutschland über 4,5 Millionen hilfebedürftige Menschen, aus Scham auf die Ihnen zustehenden Sozialleistungen verzichten und lieber nur eine Mahlzeit am tag zu sich nehmen? Das 2,5 Millionen Kinder unter der so genannten Armutsgrenze dahin Vegetieren ? Jetzt sollte Ihnen ihr Morgenkaffee wieder hochkommen und Sie sich fragen lassen, warum das in einem der Reichsten Industrienationen dieser Erde möglich ist?

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